Sonderthema | 01.12.2011

B4B MITTELSTAND: Unternehmensnachfolge - Wer ersetzt den Chef?
Ein geordneter und erfolgreicher Generationenwechsel im Unternehmen erfordert rechtzeitige und sorgfältige Planung. Erfahren Sie mehr.
Robert K. führte 27 Jahre lang seinen Betrieb, der mit bis zuletzt guter Auftragslage Drahtgewebe und -seile herstellt. Seit einem Herzinfarkt vor einem Jahr ist er außerstande, das Tagesgeschäft weiter zu leiten. Das Problem: Seine Töchter, die prinzipiell als Nachfolgerinnen infrage kämen, arbeiten bereits seit Jahren in anderen Bundesländern – eine als Ärztin, die andere als Psychotherapeutin – und fallen daher für die Übernahme der Unternehmensleitung aus. Um den Betrieb weiterzuführen und 76 Arbeitsplätze zu sichern, muss schnell eine Nachfolgeregelung gefunden werden.
Nachfolger gesucht
Dieser Fall ist zwar kein typisches, jedoch ein keineswegs seltenes Beispiel eines kurzfristigen Generationenwechsels in einem mittelständischen Unternehmen. Fast 80.000 Unternehmer haben 2010 einen Nachfolger gesucht, Tendenz steigend. Und der Erfolg bei der Suche nach geeigneten Chefs wird durch den demografischen Wandel noch erschwert. Fachkräftemangel bei den Chefs wird zum wachsenden Problem.
Die Qual der Wahl
Jedes Jahr stellt sich daher für Zehntausende von Unternehmern der selbe Strauß von Fragen: „Wie finde ich einen fachlich und menschlich geeigneten Nachfolger (oder Nachfolgerin), der bereit und in der Lage ist, meinen Betrieb zu übernehmen und zu leiten – und zwar langfristig? Welche Möglichkeiten der Firmenübergabe gibt es, welcher Weg ist für mich der richtige, und wie vermeide ich Fehler?“
Die Suche nach der passenden Übergabeform
Dass ein Vorhaben dieser Tragweite gut durchdacht und vorbereitet sein muss, versteht sich von selbst. Ohne umfassende Information über alle Aspekte des Themas und ohne Beratung geht es nicht, da sind sich alle Experten einig. Erster Schritt auf dem Weg zum passenden Nachfolger ist die Auswahl der geeigneten Übergabeoption. In vielen Familienunternehmen hat sich eine schrittweise Übertragung der Firma auf ein Familienmitglied oder einen erfahrenen Mitarbeiter durch Beteiligung an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft bewährt. Vorteil: Dies ermöglicht dem Nachfolger das Sammeln der nötigen Erfahrung und alle Seiten können sicherstellen, dass „der/die Neue“ auch wirklich „passt“. Bevorzugte Rechtsformen sind hier die GmbH und die KG, und es kann daher nötig werden, die bisherige Rechtsform anzupassen.
Der Gang zum Notar
Als besonders familienfreundliche Lösung für die Firmenübertragung gilt die Schenkung. Hier gibt es allerdings einige Stolperfallen, die eine genaue Planung und den Gang zum Notar nötig machen. Sie werden besonders dann relevant, wenn mehrere Geschwister oder allgemein Erbberechtigte ihre Ansprüche geltend machen können. Im ungünstigen Fall belasten dadurch anfallende Ausgleichszahlungen die Liquidität des Unternehmens. Testament oder Erbvertrag über den Nachlass sind, weil sie über der gesetzlichen Erbfolge stehen, außerordentlich wirksame Nachfolgeinstrumente und sollten daher rechtzeitig erstellt und sorgfältig durchdacht werden.
Management-Buy-In
Alternativ steht die Option Verkauf zur Verfügung. Hier gibt es wiederum eine ganze Reihe von Möglichkeiten, vom Abstoßen des gesamten Unternehmens über die Veräußerung geschlossener Unternehmensteile wie Einzelstandorte oder Filialen bis hin zum Verkauf von Geschäftsanteilen. Ist der Käufer das interne Management, so spricht man vom „Management-Buy-Out“. Der Kauf durch ein externes Managementteam stellt entsprechend ein „Management-Buy-In“ dar.
Nicht ohne meinen Berater
Nicht jeder Unternehmer, der seinen Betrieb nicht weiter leiten kann oder will, möchte jedoch mit der Unternehmensführung auch gleich sein Eigentum abgeben. Auch hierzu stehen ihm verschiedene Wege der Trennung von Unternehmensleitung und -besitz offen: Er kann entweder sein Unternehmen verpachten, einen Geschäftsführer von außen einstellen oder aber eine Kapitalgesellschaft (nicht börsennotierte AG mit fest benannten Aktionären) gründen.
Zunehmend beliebt: Die Stiftung
Eine weitere Übergabeform, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut, ist die Gründung einer Stiftung. Hierdurch lässt sich die künftige Entwicklung des Geschäftsmodells im Sinn des Gründers festlegen. Gleichzeitig ist der Bestand des Unternehmens gesichert, insbesondere droht nicht die Gefahr des Auseinanderbrechens des Vermögens durch die gesetzliche Erbfolge. Ohne sorgfältige Beratung ist diese Option jedoch riskant, denn die einmal verabschiedete Satzung der Stiftung, die die Einzelheiten der Unternehmensentwicklung festlegt, ist nicht mehr zu verändern.
Beratung durch Finanz- und Rechtsexperten
Beratung durch Experten aus den Sachgebieten Finanzen und Recht ist also unumgänglich, wenn Fehler mit langfristig womöglich fatalen Folgen vermieden werden sollen. Schon die Ermittlung des Unternehmenswertes ist keine Trivialität, ebenso wenig wie die Wahl der „richtigen“ Übergabeoption. Zahlreiche auf diese Themen spezialisierte Unternehmensberater bieten ihre Dienste an – die richtige Auswahl könnte ebenfalls Rat erfordern, etwa durch Kollegen, die auf der Basis eigener Erfahrungen Empfehlungen aussprechen können. In finanziellen Angelegenheiten sind jedoch auch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer geeignete Ansprechpartner. In allen vertraglichen Belangen sind Rechtsanwälte und Notare des Vertrauens gefragt.
Blick auf Förderprogramme
Bei Fragen rund um die Unternehmensnachfolge empfiehlt sich auch ein Blick auf die verschiedenen Förderprogramme, die von EU, Bund und Ländern angeboten werden. Wer sich nicht im Dickicht der Förderpakete verirren möchte, sollte sich bei Banken und Sparkassen oder auch bei den zuständigen Kammern Unterstützung holen.
Fazit zum Thema Unternehmensnachfolge
Die Komplexität des Themas macht verständlich, warum alle Experten den gleichen Rat geben: die Übergabe frühzeitig vorbereiten und nur mit professioneller Beratung durchführen.
■ Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger erweist sich oft als mühsam und kompliziert.
■ Es gibt zahlreiche Übergabeoptionen (Schenkung, Verkauf, Gründung einer Stiftung etc.).
■ Zur Wahl der passenden Option ist Beratung in allen finanziellen und rechtlichen Aspekten dringend zu empfehlen.

B4B MITTELSTAND bedient den aktuellen Informationsbedarf des Mittelstands. Die Beiträge vermitteln einen Überblick über das jeweilige Thema und zeigen dessen praktischen Nutzen auf.

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