Mobilität | 02.01.2011
Ein knappes halbes Jahr, nachdem die Ausbaustrecke zwischen München und Augsburg durchgehend viergleisig befahren werden kann, ist der Betrieb für Fernzüge nunmehr für 230 km/h freigegeben worden.
Mit zwei parallel fahrenden ICEs und einem Begrüßungs-Feuerwerk in Augsburg feierte die Bahn nach 13 Jahren Bauzeit und 700 Millionen Euro an Investitionen die Eröffnung. Die bisherigen „Baustellenzuschläge“ entfallen aus dem Fahrplan. Die schnellsten ICs und ICEs zwischen München und Augsburg brauchen nun 26 Minuten.
In 26 Minuten von Augsburg nach München
Auf den vier Gleisen werde „der Verkehr künftig deutlich entzerrt, da der Fernverkehr vom Nah- und Güterverkehr getrennt wird. Damit können wir pünktlicher und zuverlässiger sowie schneller fahren“, sagte DB-Chef Rüdiger Grube bei der Feier in Augsburg. Der Ausbau sei auch aus Sicht des Güterverkehrs wichtig. Und dafür, dass „der ICE nicht mehr durch Güterzüge oder Regionalbahnen ausgebremst wird“. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer erklärte, er wolle, „dass die Mobilitätsbedürfnisse der Wirtschaft und der Unternehmen nachhaltig gewährleistet werden“. Der Güterverkehr dürfe nicht als Bedrohung für die Gesellschaft betrachtet werden, sondern „als Chance für unsere Prosperität“.
Beim Ausbau nach Westen darf nicht getrödelt werden
Grube und Ramsauer verwiesen auf die Bedeutung des Ausbaus als Teil auch der transeuropäischen Magistrale Paris–Wien–Budapest und auf das anstehende Projekt Stuttgart–Ulm. Beide äußerten sich aber nicht konkret zu einem Ausbau zwischen Ulm und Augsburg. Ramsauer sagte: „Zwischen Augsburg und Stuttgart liegen gewaltige Herausforderungen wie zum Beispiel die Schwäbische Alb.“ Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil mahnte an: „Jetzt, wo in Stuttgart gebaut wird, darf auch beim Ausbau von Augsburg nach Westen nicht mehr getrödelt werden“. Er forderte, das „dritte Gleis“ müsse im nächsten Bundesverkehrswegeplan, voraussichtlich 2015, festgeschrieben werden.
Bürger wollen „Kombilösung“ für Lindauer Bahnhof
Mit 61 Prozent hat die Lindauer Bevölkerung die vom Freistaat vorgeschlagene „Kombilösung“ in der Debatte um den künftigen Bahnhof angenommen. Demnach soll der Hauptbahnhof für den Regionalverkehr auf der Insel im Bodensee bleiben. In Lindau-Reutin soll eine kleine Station für den Fernverkehr errichtet werden, weil die Eurocity-Züge München–Zürich nach Fertigstellung der Elektrifizierung (2017) den Kopfbahnhof auf der Insel nicht mehr anfahren werden. Die IHK-Regionalversammlung hatte sich für eine Komplett-Verlagerung des Bahnhofs aufs Festland nach Reutin ausgesprochen. Unter anderem, weil so die Verknüpfung von Fern- und Regionalverkehr einfacher werde und Flächen für die städtebauliche Weiterentwicklung der Altstadt-Insel frei werden würden.
Neigetechnik setzt sich durch
Die Strecke Buchloe–Kempten–Lindau wird seit 11.12.2011 von den Regionalexpress-Zügen der Deutschen Bahn mit Neigetechnik befahren. Die Züge sind damit bis zu 160 km/h schnell. Die Fahrzeit von Augsburg nach Kempten liegt nun erstmals unter einer Stunde. Von Augsburg nach Lindau verkürzt sie sich um rund eine halbe Stunde auf knapp über zwei Stunden. Damit ist nun in der Regel die Fahrt von München oder Augsburg zum Bodensee auf der längeren Strecke über Kempten schneller als auf der direkten Strecke über Memmingen. Dies wird sich 2017 mit der Elektrifizierung und dem Einbau der Neigetechnik auch auf der Memminger Strecke wieder ändern.
Lücken in den ICE-Nordverbindungen bleiben
Von Augsburg aus werden auch im Fahrplan für 2012 etliche vor allem für Pendler und Geschäftsreisende schmerzhafte Lücken in der Anbindung nach Norden nicht beseitigt. So wird es zwischen 5.31 Uhr und 7.44 Uhr weiterhin keine schnelle Verbindung nach Nürnberg geben. In einem Spitzengespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn AG und des Freistaats Bayern hatten IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton und Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl auch auf die im Jahr 2012 beginnende Verlagerung von rund 600 Arbeitsplätzen der EADS-Entwicklungsabteilung von Ottobrunn bei München zu Eurocopter nach Donauwörth hingewiesen: „Da gibt es ein wachsendes Potenzial, an dem man nicht einfach vorbeifahren kann“. Auch andere vor einem Jahr gerissene Lücken wurden nicht geschlossen, z.B. spätabends von Nürnberg nach Augsburg. Allerdings gibt es einige zusätzliche Stopps in Donauwörth.
Bedauerliche Entwicklung für Augsburg
Die Bahn argumentiert, zusätzliche Zuggarnituren für die Fahrt über Augsburg stünden nicht zur Verfügung. Der Freistaat, der den Regionalverkehr organisiert und in Auftrag gibt, will aus grundsätzlichen Erwägungen keine Regionalexpress-Züge („Allgäu-Franken-Express“) anstelle von ICEs einsetzen, die auf die Neubaustrecke über Ingolstadt verlagert wurden. „Wir bedauern, dass es an entscheidenden Punkten für den Wirtschaftsraum Augsburg / Donauwörth keinen Fortschritt gibt“, betonten Kopton und Gribl.

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