Betriebliche Krankenversicherung

Zusätzlich versichert – zusätzlich motiviert

Finanzen | 01.11.2011

B4B MITTELSTAND: Betriebliche Krankenversicherung
B4B MITTELSTAND: Betriebliche Krankenversicherung

Die betriebliche Krankenversicherung kann für Unternehmen und Mitarbeiter Vorteile und Effizienzgewinne bringen. Voraussetzung ist eine genaue Anpassung an den Bedarf.

Betrieb und Mitarbeiter fit halten und gleichzeitig als Arbeitgeber attraktiver werden können. „Das Thema ‚betriebliche Krankenversicherung‘ gibt es schon sehr lange, es führte nur bisher ein Schattendasein“, sagt Thomas Adolph, Betreiber des Internetvergleichsportals www.gesetzlichekrankenkassen.de. „Weil die private Krankenvollversicherung stagniert und Kooperationen mit Krankenkassen nicht vorankommen, suchen private Krankenversicherer mehr die Zusammenarbeit mit Firmen.“

Konsequent in die Gesundheit investieren

Nicht der Einzelne ist der Patient, sondern die Organisation“, lautet die Überzeugung von Bernhard Badura. Der Professor an der Universität Bielefeld lehrt Gesundheitswissenschaft und gilt als „Papst“ des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sein Fazit: „Um ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, müssen Unternehmen konsequent in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren.“ Wegen Fachkräftemangels und eines steigenden Anteils älterer Beschäftigter überlegen viele Personalleiter, wie sie Betrieb und Mitarbeiter fit halten und gleichzeitig als Arbeitgeber attraktiver werden können. „Das Thema ,betriebliche Krankenversicherung‘ gibt es schon sehr lange, es führte nur bisher ein Schattendasein“, sagt Thomas Adolph, Betreiber des Internetvergleichsportals www.gesetzlichekrankenkassen.de. „Weil die private Krankenvollversicherung stagniert und Kooperationen mit Krankenkassen nicht vorankommen, suchen private Krankenversicherer mehr die Zusammenarbeit mit Firmen.“ Bei der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) handelt es sich um private Zusatz- und Ergänzungsversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung, die über das Unternehmen den Mitarbeitern angeboten werden. Die Leistungen können aber auch Gesundheitskosten für privat Krankenversicherte umfassen, die durch die herkömmliche private Absicherung nicht abgedeckt sind, etwa bestimmte Kosten bei Pflegebedürftigkeit. In der Regel übernehmen die Unternehmen die Kosten.

Gut investierte Zusatzkosten?

Viele Unternehmer stellen sich daher die Frage, weshalb sie eine betriebliche Krankenversicherung anbieten und sich damit zusätzliche Kosten aufbürden sollen. Anbieter und Vermittler führen verschiedene Pro-bKV-Argumente auf. Wichtig sei die dadurch erzielte höhere Arbeitgeberattraktivität für qualifizierte und gesuchte Mitarbeiter. Während eine Gehaltserhöhung von Mitarbeitern bald als normal angesehen werde, würde die „erlebbare Zusatzleistung“ als etwas „Besonderes“ wahrgenommen. Da mit der Kündigung des Arbeitnehmers die bKV endet, sind die Kosten im Vergleich zu vielen Formen der betrieblichen Altersvorsorge überschaubarer und zeitlich begrenzter. Auch Steuer- und Sozialabgabenvorteile sind mit der betrieblichen Krankenversicherung verbunden. Befürworter der bKV stellen Effizienzgewinne in Aussicht. So sind die Mitarbeiter besser motiviert und weniger oft krankgeschrieben. Denn mit der betrieblichen Krankenversicherung sind Präventionen und medizinische Leistungen versichert, die von den Kassen nicht erbracht werden. Die betriebsinterne Handhabung einer bKV ist relativ unkompliziert. Über Gruppenverträge sind Rabatte von fünf bis zehn Prozent gegenüber Einzelverträgen möglich. Der Verwaltungsaufwand ist gering: Der Antrag neuer und der Wegfall ausgeschiedener Mitarbeiter erfolgen einfach über eine monatliche Listenmeldung. Den Mitarbeitern können durch Gruppenverträge Wartezeiten oder gar eine Gesundheitsprüfung erlassen werden. Dabei ist der Datenschutz für die Arbeitnehmer durch ihre direkte Kommunikation mit dem Krankenversicherer gewährleistet.

Nicht am Bedarf vorbei versichern

Um von den Vorteilen der bKV zu profitieren, ist eine bedarfsgerechte Gestaltung für Unternehmen und Mitarbeiter notwendig. Für Mittelständler empfiehlt es sich, auf die Expertise externer Spezialisten zu bauen. Das Feld der Angebote ist selbst für Makler schwer überschaubar. „Die betriebliche Krankenversicherung ist sehr komplex“, sagt Erwin Jobst, Geschäftsstellenleiter beim Finanzdienstleistungsunternehmen MLP in München. „Wir greifen deshalb auf Experten in der Konzernzentrale zurück.“ Vor einigen Jahren hatte der Finanzkonzern extra die TPC Unternehmensberatung für betriebliche Vorsorge erworben. „Wichtig ist es, sich bei der Auswahl eines solchen Spezialisten Zeit zu nehmen“, rät Thomas Adolph. „Der Unternehmer sollte sich die Vorschläge von vier oder fünf Maklern und Spezialisten der betrieblichen Krankenversicherung anhören.“ Nur mit einer Auswahl an Personen und Lösungen könne entschieden werden, wer sich für die Aufgabe fachlich und persönlich am besten eignet. Wie erfahrene bKV-Experten die Beratung gestalten, zeigt die Vorgehensweise der SHL Gruppe in München. „Wir schauen uns erst genau an, in welchem Bereich das Unternehmen tätig ist und welche Mitarbeiterstruktur es aufweist“, sagt Marco Barreto Bittner, Geschäftsführer der SHL Gruppe. „Für ein produzierendes Unternehmen kann die Absicherung von Rückenleiden wichtig sein, für Dienstleistungsunternehmen wie Callcenter ist es oft sinnvoller, den Schwerpunkt auf die Vorsorge psychischer Erkrankungen zu legen.“ Zur Auswahl stehen Policen für stationäre Behandlung, Krankentagegeld, Zahnzusatzversicherungen, Pflegezusatz, Vorsorgeuntersuchungen sowie Tarife, die bei der Wahl der Kostenerstattung einer gesetzlichen Kasse die auftretenden Mehrkosten übernehmen.

Vertragsflexibilität nutzen

Steht fest, welche Absicherungsbausteine verfügbar sein sollen, wird eine Ausschreibung unter Krankenversicherern durchgeführt. Ein wichtiges Kriterium ist dabei ein Erlass oder die Vereinfachung der Gesundheitsprüfung. Vorerkrankte Mitarbeiter können so einen Krankenschutz erhalten, den sie sonst oft privat nicht mehr bekommen würden. Der Verhandlungsspielraum gegenüber dem Krankenversicherer hängt natürlich von der Zahl der Versicherten ab. „Bei wenigen Mitarbeitern greifen Versicherer auf bestehende Tarife zurück und können über Gruppenverträge nur begrenzt Rabatte weitergeben“, erklärt Thomas Adolph. Werden viele Versicherte „angeboten“, kann der Krankenversicherer dafür einen eigenen Tarif auflegen. „Dafür sollten mindestens etwa 100 bis 200 Personen vorhanden sein“, erläutert Barreto Bittner. „Mit den Kriterien Alter, Geschlecht und Beruf lassen sich unternehmenseigene Tarife gestalten, die günstiger und bedarfsgerechter sein können als die Standard-Policen.“ Einige Krankenversicherer bieten eigens Gesundheitsseminare an. Besonders aktiv in der bKV sind AXA, Gothaer, Hallesche, SDK und R+V. Bei der Einrichtung einer bKV sind außer den Versicherungsexperten auch Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer heranzuziehen, und mit dem zuständigen Finanzamt ist die steuerliche Behandlung zu klären. „Die Pauschalsteuer wird zwar oft mit 30 Prozent angesetzt, aber die zuständige Oberfinanzdirektion kann auch andere Sätze festlegen“, erläutert Barreto Bittner. „Wird bei der Absicherung auf Geldleistungen verzichtet, ist die Versicherung als Sachbezug sogar völlig befreit von Einkommenssteuer und Sozialabgaben.“ Dies ist wohl im Sinne von Professor Badura. Profitiert doch auch der Staat durch diese Investitionen von seinen gesunden Mitbürgern.

Vorteile für Unternehmen

  • Pluspunkt für Mitarbeitergewinnung und -bindung
  • Gruppenvertragsrabatt
  • Pauschalversteuerung (§ 40 Abs. 1 EStG)
  • Sozialversicherungsfreiheit
  • Reduzierung der Krankheitstage
  • Mitversicherung von Familienangehörigen möglich

Vorteile für Mitarbeiter

  •  „erlebbare Zusatzleistung“
  • Erlass von Wartezeiten
  • häufig keine Gesundheitsprüfung
  • flexible Gestaltung möglich

Fazit

  • Betriebliche Krankenversicherungen können sinnvolle Ergänzungen zu persönlichen Policen sein. 
  • Sie sind ein Element der Mitarbeiterzufriedenheit und reduzieren oft die Krankheitstage.
  • Entscheidend für den Nutzen ist eine bedarfsgerechte Vertragsgestaltung.
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