Finanzen | 01.12.2011

Eckart Langen v. d. Goltz, PMS Vermögensverwaltung
Über Fragen nach dem richtigen Weg aus der Finanzkrise sprach B4B MITTELSTAND mit Eckart Langen v. d. Goltz, Geschäftsführer der PSM Vermögensverwaltung.
B4B MITTELSTAND: Herr Langen v. d. Goltz, die meisten Experten verlangen einen rigorosen Abbau der Staatsschulden. Ist das der richtige Weg zur Lösung der weltweiten Finanzkrise?
Eckart Langen v. d. Goltz: Unserer Ansicht nach nicht. Dass viele Ökonomen glauben, ohne Schuldenabbau gebe es keine Stabilisierung der Staatsfinanzen, ist ein Irrtum. Die Rückzahlung der Schulden auf einem normalen Weg ist eine Illusion. Dazu ein Beispiel: Der Zustand der Weltwirtschaft heute ist vergleichbar mit dem eines Unternehmens, das eine Milliarde Euro Umsatz macht und vier Milliarden Euro Schulden hat. Zum Schuldenabbau braucht diese Firma dringend höhere Gewinne. Dies kann entweder durch eine Steigerung des Umsatzes oder durch eine Erhöhung der Preise erreicht werden. Gelingt das nicht, geht dieses Unternehmen im normalen Wirtschaftsleben Bankrott.
B4B MITTELSTAND: Sparen ist als o kontraproduktiv?
Eckart Langen v. d. Goltz: Durch rigoroses Sparen wird es keinesfalls zu einem Schuldenabbau kommen. Die 1930er-Jahre sind das beste Beispiel dafür. Kurz vor der Depression hatten die Wirtschaftsexperten wie heute einen Abbau der Staatsdefizite sowie höhere Zinsen zur Bekämpfung der Inflation gefordert. Die Folgen: 30 Prozent Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen, Bankenpleiten, Börsencrashs und eine Verdopplung der Schulden. Die Weltwirtschaft braucht zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen in erster Linie Wachstum.
B4B MITTELSTAND: Wie kann dieses Wachst um generiert werden?
Eckart Langen v. d. Goltz: Durch entschlossenes Handeln der EZB. Sie ist die einzige Institution in Europa, die praktisch unendlich Liquidität aus dem Nichts schaffen kann. Die Welt schwimmt nicht in Liquidität, wie überall behauptet wird, sondern ertrinkt in einem Meer von Schulden. Die dauernden weltweiten Finanzkrisen sind dafür der beste Beweis. Entweder lassen die Notenbanken die Welt künftig weiter in billigem Geld schwimmen oder sie riskieren eine Neuauflage der Großen Depression mit sinkendem Wohlstand, Massenarbeitslosigkeit und sozialen Unruhen.
B4B MITTELSTAND: Wie viel frisches Geld müsste die EZB zur Verfügung stellen?
Eckart Langen v. d. Goltz: Spätestens im nächsten Jahr wird die EZB für 500 – 1.000 Milliarden Euro Staatsanleihen kaufen müssen. Denn ohne die Hilfe der EZB können weder Regierungen noch Banken ihre Verbindlichkeiten bedienen. Eine weiterhin expansive Geldpolitik wird weder zu einer Währungsreform noch zu einem Staatsbankrott oder einer Auflösung des Euro führen. Wachsen und eine leichte Inflation sind immer noch besser als Bankrott gehen.
PSM Vermögensverwaltung GmbH Langen v.d. Goltz, Dr. Prinz & Partner Nördliche Münchner Straße 5 82031 Grünwald

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