IG BAU

Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk vertagt

Finanzen | 17.08.2011

Verhandlungen
Verhandlungen

IG BAU: Im Tarifstreit im Gebäudereiniger-Handwerk wollen die Arbeitgeber die Lohngerechtigkeit Ost-West hinauszögern.

Nach intensiven Gesprächen wurden die Lohntarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk ohne Ergebnis vertagt. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Bundesinnungsverband Gebäudereiniger-Handwerk konnten sich bei der vierten Verhandlungsrunde am 9. August 2011 nicht auf einen Lohntarifvertrag für die rund 800.000 Beschäftigten der Branche einigen.

Warten auf die Lohngerechtigkeit Ost-West

„Die Unternehmen verdienen nach wie vor sehr gut. Daran haben die Arbeitnehmer einen erheblichen Anteil und müssen jetzt am Wachstum beteiligt werden“, sagte IG BAU-Verhandlungsführer Frank Wynands. „Zudem ist es nach mehr als 20 Jahren seit der Wiedervereinigung überfällig, dass die Löhne im Osten an die Westlöhne angeglichen werden.“

Harte Tarifverhandlungen

In den harten Verhandlungen signalisierten die Arbeitgeber bei der Frage gleicher Bezahlung in Ost und West zwar erstmals Entgegenkommen. Danach wäre eine unverbindliche Angleichung bis 2017 möglich, hieß es. Die IG BAU fordert einen Stufenplan zur Angleichung der Ost- an die Westlöhne bis spätestens zum Jahr 2015. Sie ist in dieser Frage aber kompromissbereit, einen verbindlichen Stufenplan bis 2017 festzulegen.

Widersprüchliches Verhalten der Arbeitgeber

Allerdings legten die Arbeitgeber ein zweites Angebot vor, das den Angleichungstermin bis zum Jahr 2028 hinauszögert. „Die Arbeitgeber verhalten sich widersprüchlich“, stellte Wynands fest. „Das neue Angebot hat zudem noch einen weiteren riesigen Pferdefuß. Es signalisiert zunächst ein Plus, aber das geht letztlich zu Lasten der Beschäftigten im Osten.“ Nunmehr bieten die Arbeitgeber im Osten eine Lohnerhöhung über zwei Jahre um 55 Cent pro Stunde an. Im Westen soll das Plus für 2012 und 2013 insgesamt 35 Cent betragen. „Bei diesem Vorschlag dauert es bei gleichen Stufen aber noch 16 Jahre bis die Arbeitnehmer im Osten genauso viel verdienen wie ihre Kollegen im Westen“, rechnet der IG BAU-Verhandlungsführer vor. „Das ist mit uns nicht zu machen. Mit der IG BAU wird es keinen Aufschub der Lohnangleichung Ost-West auf den Sankt-Nimmerleins-Tag geben“, betonte Wynands.

Lohn im Westen auch nicht tragbar

Auch das Angebot für die Beschäftigte im Westen ist für die IG BAU nicht akzeptabel. Danach soll der Tarif für die unterste Lohngruppe zunächst um 30 Cent (2012) und in einer zweiten Stufe im Jahr 2013 um gerade einmal 5 Cent  steigen. „Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozent im zweiten Jahr. Solch ein Vorschlag kann wohl nicht der Ernst der Arbeitgeber sein“, sagte Wynands. „Die Löhne sind in der Branche ohnehin schon viel zu niedrig. Sie müssen real deutlich zulegen und nicht sinken. Bei einer voraussichtlich hohen Inflation läuft das Angebot aber auf sinkende Reallöhne hinaus.“

Forderungen der IG BAU

Die IG BAU fordert in der ersten Stufe für die Innenreinigung im Osten ein Plus von 70 Cent pro Stunde und in der Glas- und Fassadenreinigung um mindestens 90 Cent. Im Westen sollen die Löhne für die Innenreinigung um 60 Cent, in der Glas- und Fassadenreinigung um 80 Cent steigen. Derzeit beträgt der Mindestlohn im Westen in der Innenreinigung 8,55 Euro pro Stunde und im Osten 7,00 Euro. Fachkräfte der Außenreinigung erhalten 11,33 Euro im Westen und im Osten 8,88 Euro. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen dem Westniveau angepasst werden. Die Tarifverträge sollen eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.

Fünfte Verhandlungsrunde

Am 23. August 2011 werden die Lohntarifverhandlungen in der fünften Verhandlungsrunde fortgesetzt. Sollte es dann zu keinem Ergebnis kommen, steht das Scheitern der Verhandlungen im Raum. Die Bundestarifkommission wird hierzu eine Empfehlung am 27. August 2011 an den IG BAU-Bundesvorstand aussprechen.

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