Interview mit Henning Ohlsson von Epson

Zukunftstechnologie für eine Print-Landschaft im Wandel

Das aktuelle Interview | 01.07.2011

Henning Ohlson, Geschäftsführer von Epson Deutschland, Österreich und Schweiz
Henning Ohlson, Geschäftsführer von Epson Deutschland, Österreich und Schweiz

Vor dem Hintergrund von immer strikteren staatlichen Umweltrichtlinien und  steigendem Kostendruck kommt der Optimierung der Printlandschaft in den Unternehmen eine wachsende Bedeutung zu. B4B MITTELSTAND sprach mit Henning Ohlsson, Geschäftsführer von Epson Deutschland, Österreich und Schweiz, über Einsparpotenziale und Umweltschutz beim Drucken und Kopieren sowie über die Zukunft der Printtechnologie im Office-Bereich der mittelständischen Unternehmen.

B4B MITTELSTAND: Herr Ohlsson, welche Themen im Umfeld des Outputmanagements sind denn derzeit für den Mittelstand besonders wichtig, womit sollte sich der Mittelstand in diesem Zusammenhang beschäftigen?

Henning Ohlsson: Es gibt momentan zwei Themen, die hier im Mittelpunkt stehen. Eines davon ist schon seit geraumer Zeit im Gespräch: das Thema Managed Print Services (MPS). Hinter diesem Konzept steht der Gedanke, dass der Mittelständler den Betrieb seiner Printprozesse aus einem neuen Blickwinkel betrachtet, nämlich auf Seitenpreisbasis. Er bezahlt nur das, was er tatsächlich druckt. Sein Dienstleister kümmert sich um Hardwaresupplies wie Verbrauchsmaterialien und bietet ihm ein Gesamtkonzept an, mit dem der Mittelständler sehr genau kalkulieren kann, was es ihn kostet, wenn er in seinem Unternehmen eine Seite druckt.

Das zweite Thema, das den Markt derzeit beherrscht, ist ein Technologiewandel, der sich mehr und mehr durchsetzt: Die Lasertechnologie ist zwar mit einer Durchdringung von über 90 Prozent nach wie vor DIE Technologie im Office-Bereich der Unternehmen, wird aber in den nächsten zwei bis fünf Jahren zurückgedrängt werden von einer Technologie, die nicht neu ist, sondern schon in anderen Bereichen erfolgreich eingesetzt wird: von der Tintenstrahltechnologie. Sie kann im Office-Bereich ganz massive Kosteneinsparungen bewirken.

Mit diesem Technologiewandel ist auch das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit  verbunden. Gerade der Mittelstand hat in den zwei Jahren vor der Finanzkrise hierauf ein starkes Augenmerk gelegt. Der Hintergrund dieser Strategie ist natürlich immer die Frage: Wie kann ich Energiekosten sparen? Und hier ist die Tintenstrahltechnologie gegenüber der Lasertechnologie eindeutig im Vorteil. Ein Vergleichswert: Beim Druck einer Seite nimmt ein Laserdrucker eine elektrische Leistung von bis zu 800 Watt auf. Ein Office-Tintenstrahldrucker begnügt sich dagegen mit nur 27 Watt. Das ist ein enormer Unterschied, der auch zu entsprechend spürbaren Kosteneinsparungen im Unternehmen führt.

Wir haben hier den interessanten Fall, dass sich eine Technologie, die eigentlich aus der Vergangenheit stammt, als Zukunftstechnologie erweist. Sie wird beispielsweise auch durch die Vergabeordnung der öffentlichen Auftraggeber gestützt. Dort ist seit einiger Zeit festgeschrieben, dass Produkte nur noch nach der besten Energieeffizienz-Klassifizierung eingekauft werden dürfen. Wenn man nun einen Laserprinter im Vergleich zu einem Office-Tintenstrahldrucker betrachtet, stellt man zwangsläufig fest, dass letzterer hinsichtlich der Energieeffizienz in einer ganz anderen Liga spielt.

B4B MITTELSTAND: Welche Technologiestrategie verfolgt Epson auf diesem Gebiet?

Henning Ohlsson: Epson verfügt über eine patentierte Basistechnologie, die Mikro-Piezo-Tintenstrahltechnologie. Diese Technologie ist aus dem Consumerbereich bekannt, wird aber auch im Industrie-Bereich verwendet, etwa beim Large Format Printing, also Großformatdrucken, aber auch im so genannten Proofing-Bereich, in der Druckvorstufe und in der Photographie. Diese Mikro-Piezo-Tintenstrahltechnologie findet sich jetzt auch in den Geräten, die wir für den Office-Sektor anbieten. Qualitativ hochwertig, leistungsstark, energiesparend, kostensparend – diese Merkmale machen sie zur Zukunftstechnologie fürs Office.

Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist für uns zudem der Sektor MPS. Die bekannten Services unserer Händler werden in Zukunft auch auf den Bereich der Tintenstrahltechnologie übertragen.

B4B MITTELSTAND: Welche Defizite sehen Sie heute noch im Mittelstand hinsichtlich der Effizienz der Printlandschaft?

Henning Ohlsson: Das kann man pauschal schwer festmachen. Aber aus meiner Erfahrung heraus muss ich sagen, dass die Printlandschaft in den mittelständischen Betrieben in der Regel sehr heterogen gewachsen ist. Man hat zugekauft, erweitert, neue Kopierstationen eingerichtet, Arbeitsplatzdrucker hinzugefügt, die Assistentin macht den Einkauf der Verbrauchsmaterialien und so weiter. Da gibt es natürlich ein großes Potenzial, Kosten und Energie zu sparen. Um den Mittelständlern zu helfen, dieses Potenzial auszuschöpfen, sind unsere Fachhändler gefordert, die mit ihrem Know-how mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir bilden die Spezialisten dazu aus, nicht nur die der großen Systemhäuser, sondern auch die Systemspezialisten vor Ort, die die mittelständischen Kunden intensiv betreuen.

B4B MITTELSTAND: Gibt es dabei beim deutschen Mittelstand im Vergleich zu den anderen europäischen Märkten Besonderheiten?

Henning Ohlsson: Ich möchte das etwas allgemeiner ausführen: Wir sehen, dass der Mittelstand überall die Wirtschaft treibt. Wir sehen gleichzeitig, wie führend Deutschland in Europa ist. Das bedeutet wiederum: Der deutsche Mittelstand ist führend in Europa. Wenn nun der Fachhandel, der immer wieder tot gesagt wurde, der aber nach wie vor als Spezialist mit seinem Know-how vor Ort ist, die Unternehmen fachkundig unterstützt, dann lässt sich sagen: Deutschland ist auch auf dem Outputsektor führend in Europa.

B4B MITTELSTAND: Spielt das Thema Cloud für den Betrieb der Output-Infrastruktur bereits eine Rolle im Mittelstand?

Henning Ohlsson: Es erscheint mir etwas zu früh zu sein, diese Frage zu beantworten. Ich bin im Moment ein bisschen skeptisch, weil ich sehe, dass derzeit Tendenzen entstehen, die die Vorteile und die Margen eindeutig dem Inhalts- und Serviceprovider der Cloud zuweisen und nicht dem Fachhandel. Die Anbieter werden große Unternehmen in die Cloud holen. Selbstverständlich kann der Mittelstand solche Leistungen auch in Anspruch nehmen, technologisch ist das alles inzwischen machbar. Wir haben in einigen der neuen Geräten beispielsweise E-Mail-Printing als Funktion implementiert, was bereits die erste Entwicklung in diese Richtung bedeutet. Aber im Moment bin ich noch skeptisch, ob sich das wirklich im Mittelstand durchsetzen wird.

B4B MITTELSTAND: Wie wird denn Ihrer Meinung nach der Mittelstand in zehn Jahren drucken und kopieren?

Henning Ohlsson: Der anstehende Technologiewandel wird sicher weiterhin vom Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit getrieben werden. Energie ist teuer und dies führt die Unternehmen auf allen Ebenen in diese Richtung, auch bei der PC-Infrastruktur, bei den Displays und natürlich auch beim Thema Output. Und dabei kommt man an der Tintenstrahltechnologie nicht vorbei. Wir sind beispielsweise in der Initiative Pro-Recycling-Papier aktiv, in der namhafte Unternehmen vereinigt sind. Wir empfehlen Recycling-Papier für unsere Drucker. Unser Unternehmen ist selbst zu 100 Prozent auf Recycling-Papier umgestellt.
Man kann recht sicher sagen, dass sich das Druckvolumen nicht signifikant reduzieren wird – obwohl es in den nächsten zehn Jahren etwas zurückgehen wird. Epson ist dabei, das Thema E-Paper, also das elektronische Papier, weiter voranzutreiben, und es gibt bei uns dazu auch schon Produkte.
Der Haupttrend in den nächsten drei bis fünf Jahren wird jedoch der Umstieg von Laser- auf Tintenstrahldruck sein.

B4B MITTELSTAND: Wie sieht Epson die globale Entwicklung des Markts im Bereich Outputsysteme?

Henning Ohlsson: Es lässt sich eine klare Tendenz feststellen, die sich so umschreiben lässt: Ich möchte drucken können, wann und wo immer ich bin, wenn ich ein Dokument brauche. Es gibt Konzepte, die gerade entwickelt werden, mit denen man beispielsweise noch im Flugzeug einen Vertrag, den man im iPad oder Notebook ausgearbeitet hat, einfach abspeichern und an eine gemeinsame Druckplattform schicken kann. Diese Druckplattform vergibt für diesen Auftrag einen Pincode, und sobald der Nutzer im Hotel angekommen ist, kann er an der Rezeption oder im Büro über seinen Pincode den Vertrag als Ausdruck abholen. Dies sind Entwicklungen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt werden. Auch die Hotelketten richten sich inzwischen darauf ein und bieten in ihren weltweit verbreiteten Hotels diesen Service an.
Insgesamt wird zwar die Zukunft digital sein, aber wir werden immer auch Papierdokumente und damit Ausdrucke brauchen.

B4B MITTELSTAND: Wie sieht die Mittelstandsstrategie von Epson heute aus und mit welchen Veränderungen ist zukünftig hier zu rechnen?

Henning Ohlsson: Der kleine Mittelstandsbetrieb ist das Zentrum unserer Positionierung. Den Mittelstand adressieren wir mit Hilfe unserer Fachhändler. Wir haben ein sehr gutes Laserportfolio, aber es ist nicht ausreichend wettbewerbsfähig gegenüber den Großen im Markt. Jetzt haben wir die Möglichkeit, über unsere Fachhändler das Thema Office Ink, also unsere Tintenstrahltechnologie für den Office-Bereich, in den Mittelstand hinein zu tragen. Unser Vertrieb ist komplett auf die mittelständischen Unternehmen zugeschnitten, auf Systemhäuser, die den Fachhandel betreuen. Auch die Distribution ist auf den Mittelstand ausgerichtet. Das ist also unsere Positionierung. Im Vergleich zu etwa einer HP sind wir selbst ja auch so etwas wie ein mittelständisches Unternehmen.

B4B MITTELSTAND: Herr Ohlsson, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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