Das aktuelle Interview | 29.03.2011
Dietmar Meding, Leiter des Geschäftsbereichs SAP Business ByDesign, beantwortet Fragen zur Cloud-Lösung des Konzerns.
B4B MITTELSTAND: Herr Meding, SAP hat mit SAP Business ByDesign eine speziell auf mittelständische Unternehmen zielende Software-as-a-Service-Lösung geschaffen, die von Seiten Ihres Unternehmens das Konzept des Cloud Computing in den Mittelstand trägt. Was waren denn die Beweggründe, die SAP zur Entwicklung von SAP Business ByDesign bewogen haben?
Dietmar Meding: Es gab eine ganze Reihe von Motiven, die uns bewogen haben, das Produkt zu entwickeln. Ich würde gerne zwei wesentliche Gesichtspunkte herausgreifen.Der erste ist unsere eindeutige Feststellung, dass die Unternehmen insbesondere im Mittelstand bereit sind, in die Geschäftsgestaltung zu investieren, aber nicht vorwiegend in die IT-Infrastruktur. Das heißt, dass es einen Trend zur Auslagerung von Dienstleistungen gibt, die nicht unbedingt zur Kernkompetenz des Unternehmens gehören. Das macht eine On-Demand- oder Software-as-a-Service-Technologie attraktiv.
Der zweite Gesichtspunkt ist, dass in einer hoch dynamischen Geschäftswelt mit sich ständig verändernden Rahmenbedingungen auch eine flexible Lösung erforderlich ist. Und ich glaube, es reicht nicht mehr aus, wie das in der Vergangenheit einmal der Fall war, wenn man sich eine schöne betriebswirtschaftliche Infrastruktur zusammenstellt, die auf die aktuelle Situation des Unternehmens zugeschnitten ist, und dann nach zwei oder drei Jahren schon wieder dramatisch angepasst werden muss. Da braucht man schon eine Infrastruktur, die darauf ausgelegt ist, ständig flexibel anpassbar zu sein, und das ist SAP Business ByDesign.
B4B MITTELSTAND: Könnten Sie das Konzept von SAP Business ByDesign kurz erläutern?
Dietmar Meding: Zunächst einmal ist SAP Business ByDesign nicht ausschließlich eine ERP-Lösung. Es ist mehr als das, es umfasst Finanzbuchhaltung, Projektmanagement- und Kundenmanagementsoftware. Es ist eine vollständig integrierte Business Suite. Das Besondere an SAP Business ByDesign ist, dass es sich um eine On-Demand-Technologie handelt, das heißt, der Kunde bezieht sie über das Internet und nutzt nur das, was er wirklich braucht. Das bezieht sich auf den Umfang und auf die Zahl der Anwender, die diese Software nutzen.
Darüber hinaus können Sie es mit einem Smartphone vergleichen. Beim Smartphone haben Sie eine einzige Arbeitsplattform, auf der Sie telefonieren, Kalenderfunktionen nutzen und Kontakte verwalten können etc. Wenn Sie darüber hinaus weitere Funktionen brauchen, dann laden Sie diese als so genannte Apps herunter und passen so das Gerät Ihren Anforderungen an. Genauso ist es auch bei SAP Business ByDesign. Sie haben eine komplette Arbeitsplattform für ein mittelständisches Unternehmen, und was Sie darüber hinaus noch an spezifischen zusätzlichen Funktionalitäten benötigen, wird über den SAP Store angeboten und Sie können sich Ihre Software nach Bedarf weiter anpassen.
B4B MITTELSTAND: Was würden Sie als größten Nutzen von SAP Business ByDesign für die Anwender bezeichnen?
Dietmar Meding: Im Wesentlichen kann man dies auf drei Begriffe zurückführen, nämlich auf Kosten, Flexibilität und Sicherheit. Kosten – das ist offensichtlich: Sie haben mit Software-as-a-Service als Architektur die Möglichkeit, den Service tatsächlich nach Bedarf zu lizenzieren und zu nutzen. Das heißt: Sie bezahlen nur den Umfang, den Sie wirklich brauchen. Hinzu kommt, dass Sie für diese Lösung, die Sie über das Internet nutzen, keine teure Hardware-Infrastruktur anschaffen müssen. Zudem muss das gesamte Thema Wartung nicht mehr im eigenen Haus abgewickelt werden, sondern es wird schlicht an SAP ausgelagert. Diese drei Beispiele machen klar, wo sich Kosten spürbar senken lassen.
Flexibilität ist ein wichtiger Gesichtspunkt, weil Sie es heute im Mittelstand häufig mit hoch innovativen Unternehmen zu tun haben, die auch international eine Rolle spielen. Um global Niederlassungen zu gründen oder wieder aufzulösen, muss ein hohes Maß an Flexibilität vorhanden sein, auch auf dem Sektor Nutzung der Unternehmenssoftware.Schließlich der Faktor Sicherheit, der wie ich glaube sogar einer der wichtigsten Aspekte bei der Nutzung von Software-as-a-Service ist. Mittelständische Unternehmen können heute kaum mehr die ganzen Rahmenbedingungen zeitnah vorhalten, die der Gesetzgeber fordert, egal ob es um Inhaltliches geht oder sich auf IT- und Datensicherheit oder Datenschutz bezieht. Dagegen kann der Kunde davon ausgehen, dass seine Daten in unserem Rechenzentrum, wo diese Technologie betrieben, gewartet und ständig auf dem neuesten Stand gehalten wird, immer maximal sicher vorgehalten werden.
B4B MITTELSTAND: Mit welchen Implementierungszeiten und -preisen muss der Anwender rechnen?
Dietmar Meding: Technologisch muss dabei zum Glück nichts mehr implementiert werden. Der Implementierungsaufwand bezieht sich auf eine Prozesseinrichtung und Prozessoptimierung. Bei einem typischen Kunden mit 100 bis 150 Mitarbeitern, der im Dienstleistungsbereich tätig ist, ist die Implementierung in maximal vier bis sechs Wochen abgeschlossen, bei sehr geringen Aufwänden. Die Kosten setzen sich aus zwei Komponenten zusammen. Einerseits haben Sie die Mietkosten, die sich auf die Anzahl der Anwender beziehen, das sind 133 Euro pro Monat und Anwender, und wenn Sie von einem typischen Paket von 10 Usern ausgehen, sind für den gesamten Funktionsumfang 1.330 Euro zu bezahlen. Aufs Jahr gerechnet macht dies knapp 16.000 Euro. So können Sie mit SAP Business ByDesign einsteigen; zusätzlich gibt es sehr wettbewerbsfähige Implementierungspakete, mit denen die Software beim Kunden eingerichtet wird. Je nach Branche sind dafür 10.000 bis 35.000 Euro zu bezahlen.
B4B MITTELSTAND: Nun ist das Geschäftsumfeld im Mittelstand ja außerordentlich dynamisch. Wie sieht es mit der Anpassbarkeit der Lösung an neue Gegebenheiten im Unternehmen aus, etwa bei Änderungen durch neue Rechtsprechung, Änderungen in der Geschäftsstrategie, Auftragsspitzen oder Geschäftsrückgang, Einbindung neuer Partner, organisatorische Veränderungen wie Akquisition oder Fusion etc.?
Dietmar Meding: Diese Anpassbarkeit haben Sie bei keinem anderen Betriebsmodell so hervorragend gegeben wie bei einem Software-as-a-Service- oder On-Demand-Konzept. Alle diese Veränderungen, die Sie genannt haben, lassen sich heute wunderbar, in Echtzeit dynamisch über das Internet abbilden. Genau das ist ein wichtiger Grund, warum man SAP Business ByDesign nutzen sollte.
B4B MITTELSTAND: Wie sieht denn nun aus Ihrer Sicht ein typisches mittelständisches Unternehmen aus, das von Business ByDesign besonders profitieren kann?
Dietmar Meding: Grundsätzlich ist das Konzept von der Technologie her voll skalierbar, das heißt, die Lösung kann vom kleinsten bis zum großen Unternehmen alles abbilden, auch von der Leistung und Geschwindigkeit der Software her. Tatsächlich richten wir uns aber zunächst an Unternehmen mit einer Firmengröße zwischen 20 und etwa 500 Mitarbeitern. Die Branchen, die wir dabei besonders adressieren sind Dienstleistungsunternehmen. Diese machen heute einen Anteil zwischen 60 und 70 Prozent unserer Kunden aus. Hinzu kommen kleine Großhandelsunternehmen mit einem Anteil von etwa 20 Prozent, Fertigungsunternehmen (typischerweise sind das Komponentenfertigungsunternehmen) sowie soziale Einrichtungen, Schulungseinrichtungen etc. So sieht momentan die Branchen- und Größenverteilung der Firmen aus, mit der wir es zu tun haben.
B4B MITTELSTAND: Welche Voraussetzungen sollte ein Unternehmen erfüllen oder schaffen, damit Business ByDesign möglichst profitabel eingesetzt werden kann?
Dietmar Meding: Wir sehen, dass vor allem die Unternehmen sehr erfolgreich sind mit SAP Business ByDesign, die erkannt haben, dass Einfachheit in der Nutzung, also etwa eine sehr kompakte, intuitive Nutzeroberfläche, einen hohen Wert hat – und nicht in erster Linie eine Vielzahl von Knöpfen. Das mag banal klingen, aber der Markt tickt leider oft noch so, dass er reine Funktionalitäten statt den gesamten Wert der Produkte vergleicht. In unserer Branche besteht die Herausforderung darin, sehr komplexe Sachverhalte möglichst einfach darzureichen. Jeder weiß heute, dass eine ERP- oder betriebswirtschaftliche Lösung ein außerordentlich komplexes Gebilde ist. Wir haben diese Komplexität in Business ByDesign integriert, aber wir stellen sie dem Nutzer nicht kompliziert dar.
B4B MITTELSTAND: Was verspricht sich denn SAP selbst von der Einführung von Business ByDesign für seine Marktposition?
Dietmar Meding: Grundsätzlich wollen wir natürlich unsere Marktführerschaft bei Unternehmensanwendungen mit SAP Business ByDesign weiter ausbauen, und wir wollen Innovationsführer bleiben. Wir glauben, dass wir mit Business ByDesign eine sehr wettbewerbsfähige Lösung auf den Markt gebracht haben, die erstmalig den Mittelstand nachhaltig unterstützen kann. Mit nachhaltig meine ich, dass der Mittelstand vor dem Hintergrund der Dynamik, die Sie eben auch beschrieben haben, eine Software bekommt, bei der er nicht immer wieder Neues implementieren muss, bei der er sich nicht immer wieder neue Berater ins Haus holen und mit großem Aufwand die Lösung anpassen lassen muss, sondern bei der er dies selbst tun kann.
Wir glauben aber auch, dass Business ByDesign als Technologieträger für SAP noch viele Möglichkeiten für abgeleitete Lösungen bietet. Aus den verschiedenen Modulen können weitere Anwendungen erzeugt werden, die sich für weitere Bereiche und auch für andere Unternehmensgrößen einsetzen lassen. Damit werden wir auch unsere Marktposition nachhaltig stärken können.
B4B MITTELSTAND: Herr Meding, nehmen wir an, die Bundesregierung entschlösse sich, die Position eines Mittelstandsministers zu schaffen und Sie auf diesen Posten zu berufen: Was wären Ihre wichtigsten Sofortmaßnahmen zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen?
Dietmar Meding: Als erste Sofortmaßnahme würde ich der Bundesregierung gratulieren. Nicht dazu, dass sie mich zum Mittelstandsminister berufen hat, sondern dazu, dass sie diese Position eingerichtet hat und damit dem Mittelstand eine entsprechende Beachtung einräumt. Das wäre eigentlich überfällig, denn wir wissen alle, dass der Mittelstand nicht nur unser Jobmotor, sondern auch unser Wirtschaftsmotor ist. Wenn ich also tatsächlich Mittelstandsminister wäre, würde ich zunächst meinen Focus auf zwei Faktoren richten, nämlich alles was mit Innovation zu tun hat und alles, was mit Transparenz zu tun hat. Wir Deutsche haben im Wesentlichen unsere Köpfe und unser geistiges Gut als Ressource – und die müssen wir nutzen und ausbauen, damit wir langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Deshalb würde ich alle Unternehmen massiv fördern, die besonders innovativ sind, besonders gute und innovative Ideen haben.
Das kann z.B. dadurch geschehen, dass sie besonders günstige Kredite bekommen. Wir wissen ja, dass es bei der Kreditvergabe momentan noch hapert. In diesem Zusammenhang ist dann auch Transparenz ein wichtiger Begriff. Ich sehe aus dem Blickwinkel meiner Vergangenheit heraus auch, dass Unternehmen, die eine besonders hohe Transparenz haben, was beispielsweise Kennzahlen etc. betrifft, besonders wettbewerbsfähig sind und dass bei ihnen Liquiditätsengpässe nicht so leicht vorkommen können. Also würde ich als Minister alle Maßnahmen ergreifen, um Unternehmen zu fördern, die Transparenz begrüßen und im eigenen Unternehmen auch umsetzen.
B4B MITTELSTAND: Herr Meding, wir bedanken uns für das interessante Interview.
Dietmar Meding, Leitung Geschäftsbereich SAP Business ByDesign, im Videointerview zum Thema Cloud-Strategie. [ zum Video ]

B4B MITTELSTAND bedient den aktuellen Informationsbedarf des Mittelstands. Die Beiträge vermitteln einen Überblick über das jeweilige Thema und zeigen dessen praktischen Nutzen auf.
Statement zum 6. B4B Roundtable zum Thema "Kostensenkung im Mittelstand". [ zum Video ]

Hier finden Sie alle Onlinetipps der Dezember-Ausgabe:
Generationswechsel: Eine Sache des Vertrauens
Klicken Sie auf die Wirtschaftsnachrichten Ihrer Region:


















