Das aktuelle Interview | 24.11.2010

Guido Sommer, Cisco Deutschland
Technologietrends und die Rolle von Cisco im Mittelstand standen im Focus eines Exklusivinterviews von B4B MITTELSTAND mit Guido Sommer, Direktor Vertrieb und Distribution für den Bereich Mittelstand bei Cisco Deutschland.
B4B MITTELSTAND: Herr Sommer, wie muss sich denn der Mittelstand nach der doch recht schnell überstandenen Krise in seinem strategischen Denken einstellen, um auch künftig seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?
Guido Sommer: Es gibt mehrere sehr wichtige Aufgaben, die auf den Mittelstand zukommen. Dazu gehören die Themenkomplexe Kunde und Innovation auf der einen und Produktivität und betriebliche Ausgaben auf der anderen Seite. Was meine ich damit? Beginnen wir mit dem Thema Kunde und Innovation. Der Kunde hat durch die hohe Transparenz, die heute gegeben ist, ganz andere Anforderungen an die Produkte und Dienstleistungen, die er einkauft, als früher. Diese Anforderungen richten sich an die Hersteller und Anbieter, und die Herausforderung für diese ist wiederum, dass der Kunde mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens rückt, was eine viel umfassendere Betreuung notwendig macht als bisher. Die erweiterte Bedeutung des Kunden gilt auch für den wichtigen Faktor Innovation. Denn: Wie entsteht Innovation? Ist Innovation immer noch lediglich eine Aufgabe für die Entwicklungsabteilung oder entsteht Innovation im globalen Zusammenspiel nicht auch mit Einbindung der Endkunden? Beispielsweise das Thema Entwicklung des Mini oder die Entwicklung der Geschmacksrichtungen von Kaffee bei Starbucks etc. beweisen, dass der Endkunde die Innovation mit treibt.
Die zweite große Aufgabe liegt im Bereich Produktivität und Ausgaben im globalen Zusammenhang. Die Expansion im Zuge der Globalisierung schreitet voran, die Unternehmen müssen sich weltweit aufstellen. Ob es dann letztendlich physikalisch weltweit ist oder nur virtuell – faktisch ist der Absatzmarkt inzwischen weltumspannend. Die Herausforderung ist es nun, eine Infrastruktur zu bauen, die diese Expansion erlaubt, es aber auch den Mitarbeitern ermöglicht, von überall aus zu arbeiten, so dass die Menschen, das wertvollste „Kapital“, über das ein Unternehmen verfügt, eine maximale Produktivität erzielen.
Diese beiden großen Themenkomplexe müssen ins Gleichgewicht gebracht werden, und da kann wie ich glaube die IT eine ganze Menge zum Gelingen beitragen.
B4B MITTELSTAND: Sie haben jetzt das Thema Technologie angesprochen. Was sind denn die technologischen Grundthemen, mit denen sich der Mittelstand künftig auseinandersetzen muss?
Guido Sommer: Es hat sich sehr deutlich gezeigt, dass das robuste und intelligente Netzwerk die Basis ist für viele der Technologien, die die Unternehmen voranbringen. Die meisten heutigen Technologietrends fußen auf diesem robusten Netzwerk. Nehmen wir das Thema Zusammenarbeit. Wie funktioniert Zusammenarbeit im globalen Rahmen? Mit Video, mit Unified Communication, also mit den umfassenden Voice- und Mehrwertdiensten, die heute entstehen. Intelligente Sicherheitskonzepte, Cloud Computing (ob es um Infrastruktur für Überlastzwecke geht, die aus der Cloud bezogen werden, oder ganze Applikationsdienste aus der Wolke) – das sind weitere zukunftsweisende Trendthemen. Und all diese Trends funktionieren nur zuverlässig auf einer robusten und intelligenten Netzwerkbasis.
B4B MITTELSTAND: Wie sehen Sie denn dann die Entwicklung der Rolle, die die IT-Technologie für die Mittelständler spielen wird?
Guido Sommer: Die Rolle ist heute schon sehr stark und wird auch weiterhin extrem stark bleiben. Alle Geschäftsprozesse sind heute mehr oder weniger auf IT und damit auf ein funktionierendes Netzwerk abgestützt. Dennoch gibt es einen Wandel. Die IT ist dabei, von einem Host Center zu einem Business Enabler zu werden. Mit Business Enabler meine ich beispielsweise die Ermöglichung von weltumspannendem Handeln auf den globalisierten Absatzmärkten. Globales Handeln bedeutet auch Kommunikation und Datenzugriff von jedem Punkt der Welt. Dies lässt sich nur erreichen, wenn eine bestimmte Infrastruktur zur Verfügung steht, die hoch sicher und extrem robust ist, und hier liegt das Feld, in dem die IT eine entscheidende Rolle spielt.
B4B MITTELSTAND: Welche sind denn dabei die Themen, die Cisco besonders angehen und interessieren?
Guido Sommer: Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema Zusammenarbeit an sich – und zwar auf einer völlig virtuellen Basis. Daten und Kommunikation völlig virtuell und unabhängig vom benutzten Endgerät zur Verfügung zu stellen – das verlangt eben genau das robuste Netzwerk, das letztendlich intelligent ist, und in das Netzwerk- und Sicherheitsdienste entsprechend integriert sind.
Weiter beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Virtualisierung und Cloud-Elementen und stellen hierfür eine ganze Menge von Produkten zur Verfügung. Hier ist es uns wichtig, den Mittelstand in der ganzen Bandbreite seiner Bedürfnisse zu bedienen. Diese Bedürfnisse reichen von hoch standardisierten Lösungen für das Kleinstunternehmen und den großen Mittelständler bis hin zu weit gehender Individualisierung. Wir haben Systeme, die es ermöglichen, auch hoch individuelle Lösungen zu erzeugen, die genau auf den Bedarf des Kunden zugeschnitten sind.
B4B MITTELSTAND: Wie wird denn die IT-Landschaft im Mittelstand längerfristig, sagen wir in fünf bis zehn Jahren aussehen? Gibt es dann überhaupt noch eine eigene IT oder kommt alles aus der Cloud? Wie sehen Sie das?
Guido Sommer: Diese Frage ist wirklich sehr schwer zu beantworten. Die Trends sind allerdings sehr deutlich. Was wir in jedem Fall sehen werden, ist eine absolute Flexibilisierung und Dynamisierung von jeglicher Art von Ressourcen, die im Netz stehen. Das bedeutet: Die Unternehmen sind nicht mehr darauf beschränkt, Ressourcen starr zur Verfügung zu stellen und einfach immer mehr Hardware etc. zuzukaufen und zu installieren, um Bedarfsspitzen aufzufangen, sondern sie können sich Ressourcen je nach Bedarf dynamisch – beispielsweise auf Wochenbasis – schnell und kostengünstig zukaufen und wieder abstoßen. Somit ist Dynamisierung und Flexibilisierung das Thema, das die künftige IT im Mittelstand prägen wird.
B4B MITTELSTAND: Nun ist Cisco in den letzten Jahren zu einem immer intensiveren Partner des Mittelstands geworden. Was macht denn in Ihren Augen Cisco für den Mittelstand so attraktiv?
Guido Sommer: Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir Innovation ganz groß schreiben. Das sehen Sie schon am Umfang der Investitionen in innovative Technologien, die wir selber tätigen. Wir sind wohl eines der führenden Unternehmen, was die Investitionen in Forschung und Entwicklung angeht. Unser Ziel ist, Standards zu treiben, standardisierte Produkte auf den Markt zu bekommen und die Integration von innovativen Leistungsmerkmalen kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Wir haben viele Trends, die heute im Markt zu finden sind, angestoßen und getrieben, Voice-over-IP zum Beispiel, das ganze Thema Internet natürlich, und das Ganze immer mit einem standardisierten Ansatz. Daran glauben wir, das ist unser Weg.
Das führt zu einem attraktiven Mittelstandportfolio, wie erwähnt von standardisierten bis zu voll individualisierten Lösungen. Dazu kommt alles an Services, was das Produktportfolio abrundet, einerseits mit Blick auf den Kunden, andererseits hinsichtlich unserer Partner, denn wir setzen ja zu 100 Prozent auf den indirekten Vertrieb. Dazu gehören auch Finanzierungsdienstleistungen: Wir bieten den Kunden ganze Lösungselemente bis hin zu Finanzierungsansätzen an. Diese Leistungsbandbreite ist es wohl, die uns für den Mittelstand so attraktiv macht.
B4B MITTELSTAND: Wie kommen Sie in Kontakt mit dem Mittelstand? Wie bekommen Sie die Tuchfühlung, die notwendig ist, um die großen Themen mittelständischer Unternehmen wirklich aufnehmen zu können?
Guido Sommer: Wie gesagt, arbeiten wir ausschließlich indirekt. Wir halten also einen sehr intensiven und engen Austausch mit unseren Partnern, um ihnen die Kompetenz für die Beratung bezüglich entsprechender Lösungen zu geben. Andererseits unterstützen wir die Partner im Vertrieb und gehen mit ihnen zu den Kunden. Da sehen wir dann in Diskussionen mit den Kunden, wie unsere Produkte ankommen, welche Bedürfnisse ganz konkret bestehen, wie Produkte angepasst oder weiterentwickelt werden müssen. Diese Erkenntnisse geben wir dann an unsere Entwicklungsabteilungen weiter, so dass sie bei der Konzeption neuer Produkte berücksichtigt werden können. Das ist unsere Vorgehensweise, daneben nutzen wir natürlich klassische Wege der Information: Wir führen Befragungen durch, halten Panels ab und ähnliches, um den Kontakt mit den Kunden so intensiv wie möglich zu halten.
B4B MITTELSTAND: Wir haben über die Technologiezukunft des Mittelstands gesprochen, lassen Sie uns zum Schluss noch auf die Technologiezukunft von Cisco selber eingehen. Wo steuert Cisco Ihrer Meinung nach hin, wenn es um Zukunftstechnologien geht?
Guido Sommer: Wir haben uns seit geraumer Zeit in Architekturen sortiert. Das hat seinen Grund darin, dass wir glauben, dass diese verschiedenen Architekturen ganze Plattformen für bestimmte Bereiche zur Verfügung stellen. Diese Bereiche sind einmal das Netzwerk an sich, wir nennen es „borderless Network“, das es ermöglicht, grenzenlos zu operieren, inklusive der Themen Mobilität, Sicherheitstechnik und Netzwerkfundament. Der zweite Bereich ist der Komplex Zusammenarbeit, wo es um Sprache und Video mit weiterführenden Diensten geht. Wir nennen diesen Bereich Collaboration. Dann ist zu nennen das Thema Service Provider. Hier geht es darum, für die Provider ganze Architekturen für den Bau des Netzwerks der nächsten Generation bereit zu stellen. Wir sind ja darauf angewiesen, dass die Provider hoch performant agieren können, denn nur dadurch ist globales Handeln überhaupt möglich. Ein weiteres Thema, mit dem wir uns intensiv beschäftigen, ist der Bereich Virtualisierung, was eng mit dem Cloud Computing verbunden ist.
Nicht zuletzt unternimmt Cisco große Anstrengungen auf dem Sektor Energie. Wir beschäftigen uns damit, wie Energie zukünftig gemanagt werden kann, also mit allen Themen rund um das so genannte Smart Grid, von dem heute schon viel zu lesen ist.
B4B MITTELSTAND: Herr Sommer, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Guido Sommer, Cisco Systems, im Videointerviw zur Mittelstandsstrategie der Cisco Systems Inc. [ zum Video ]

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