Das aktuelle Interview | 16.06.2010
Gudrun Heim leitet das Mittelstandsgeschäft von HP Enterprise Services in Deutschland. B4B MITTELSTAND sprach mit ihr über Probleme und Erfolgsaussichten des Mittelstands im gegenwärtigen Wirtschaftsumfeld.
B4B MITTELSTAND: Frau Heim, wie beurteilen Sie die Erfolgsfaktoren des Mittelstands in der erhofften wirtschaftlichen Aufschwungphase?
Heim: Für den Mittelstand kommt es jetzt darauf an, seine Wettbewerbsvorteile durch neue Produkte, Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse zu stärken. Gleichzeitig stehen die Unternehmen vor der dringenden Notwendigkeit, Basis-Infrastrukturen zu modernisieren. Das betrifft in starkem Maße auch die IT. Das Geschäft wird bei vielen Mittelständlern von veralteter IT geradezu ausgebremst.
B4B MITTELSTAND: Wo sehen Sie denn die Stärken und Schwächen des Mittelstands, wenn es um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit geht?
Heim: Viele Mittelständler sind stark, weil sie hochgradig spezialisiert und schnell sind. Auf der anderen Seite erlebe ich häufig, dass KMU konservativ sind, wenn es darum geht, Unternehmensbereiche jenseits ihres Kerngeschäfts zu verändern. So ist etwa der Eigenaufwand in der Verwaltung und der IT oft deutlich zu groß. Überspitzt gesagt ist es so, als würde ich mein eigenes Elektrizitätswerk betreiben, obwohl es den Strom schon längst aus der Steckdose gibt. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten, Kosten- und Kapitalstrukturen deutlich zu verbessern.
B4B MITTELSTAND: Was bleibt in Sachen IT denn dann zu tun?
Heim: Viele Mittelständler beschäftigen sich zu intensiv mit IT-Lösungen, die ihnen keine Wettbewerbsvorteile bringen. Denn ein immer größerer Anteil der IT wird zum Standard. Wir sehen daher zwei unterschiedliche Strategien, die KMU parallel verfolgen sollten. Zum einen müssen sie die Standardisierung der nicht das Kerngeschäft abbildenden IT weiter vorantreiben und Teile davon an Dienstleister auslagern, um die Kosten zu senken und variabler zu gestalten. Das schafft die Voraussetzungen, um auf der anderen Seite die IT-Organisation konsequent auf Innovation auszurichten.
B4B MITTELSTAND: HP möchte den Mittelstand stärken. Wie sieht denn die Strategie dafür aus?
Heim: Ein Schwerpunkt ist die verbrauchsabhängige Abrechnung von Anwendungen und IT-Infrastruktur. Unsere Kunden sollen nur für die Leistungen bezahlen, die sie tatsächlich nutzen. Auch in Wachstumszeiten ist dies wichtig, weil sich neue IT-Lösungen schnell und ohne Kapitalbindung aufbauen lassen. Das kann für Mittelständler ein kritischer Erfolgsfaktor bei der Umsetzung ihrer Unternehmensstrategien sein.
B4B MITTELSTAND: Vielen Dank für das Gespräch.
B4B MITTELSTAND Interview vom 6/2010

B4B MITTELSTAND bedient den aktuellen Informationsbedarf des Mittelstands. Die Beiträge vermitteln einen Überblick über das jeweilige Thema und zeigen dessen praktischen Nutzen auf.

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