Geldanlage 2010
Wohin mit dem Geld?
Das Auf und Ab an der Börse und die andauernden Niedrigzinsen machen es schwer, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Wir haben bei bankenunabhängigen Vermögensberatern nachgefragt, worauf Anleger in den kommenden Monaten setzen sollten.
Nichts ist so einfach, wie Geld zu verlieren. Das gilt ganz besonders bei der Anlage des eigenen Vermögens. Immer mehr Menschen vertrauen deshalb ihr Geld unabhängigen Vermögensberatern an. Diese gelten als besonders vorsichtige Zeitgenossen. Ihre Kunden legen meist mehr Wert auf Sicherheit als auf ein oder zwei Prozentpunkte mehr Rendite. Daran können sich Unternehmer ein Beispiel nehmen. Sie stecken derzeit gleich doppelt in der Klemme. Ihre betrieblichen Finanzen profitieren nicht von den niedrigen Zinsen, da die Risikoaufschläge der Banken die Kredite stark verteuern. Und wer Geld übrig hat, kann es kaum sinnvoll anlegen.
Liquidität
Vor allem bei der Sicherung ihrer Liquidität haben Unternehmer im Moment ein Problem. Tages- und Festgeldkonten sind zwar sicher, werfen aber nicht mehr als ein bis zwei Prozent Zinsen pro Jahr ab. Bundesanleihen bringen nur Renditen über Tagesgeldniveau, wenn Anleger mindestens vier Jahre lang auf ihr Geld verzichten. Sich so lange festzulegen, davon raten Vermögensberater unisono ab. „Wer sein Geld kurzfristig braucht, sollte sich mit den niedrigen Zinsen zufrieden geben und flexibel bleiben“, sagt Hans Eberhardt, Geschäftsführer der Unikat Vermögensverwaltung in Villingen-Schwenningen. Die Gefahr droht von der Inflationsfront. Wer sich zu lange bei den niedrigen Zinsen festlegt, verliert Geld, wenn die Zinsen wieder steigen. „Langfristige Rentenpapiere sollte man auf jeden Fall meiden“, sagt Winfried Marx von der Kroos Vermögensverwaltung in Münster. Das gelte auch für langfristig investierende Rentenfonds. „Steigende Zinsen bedeuten sinkende Kurse“, erklärt Marx. Viele Fonds könnten dann unter Druck geraten.
Rentenpapiere
Wer für sein Geld einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren absehen kann, dem bieten sich dennoch Alternativen. Die meisten Finanzberater favorisieren derzeit Unternehmensanleihen. Schuldpapiere mit kurzer Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten würden immer noch Renditen zwischen 2,5 und drei Prozent einbringen. „Bei einem vergleichsweise geringen Risiko“, so Jürgen Schneider, Vorstand der SRQ Finanzpartner AG in Berlin. Unternehmer müssen sich allerdings bewusst sein, dass sie zusätzlich zu ihrem eigenen unternehmerischen Risiko noch ein weiteres in ihr Portfolio legen. Daher raten die Anlageprofis, nur Anleihen von deutschen Unternehmen bester Bonität zu kaufen. Bei Firmen wie E.ON, Daimler, BMW oder der Deutschen Telekom sei die Gefahr einer Pleite innerhalb des nächsten Jahres äußerst gering. Eine andere Möglichkeit sind Pfandbriefe. Über diese Schuldverschreibungen refinanzieren Banken ihre Kredite an Immobilienkäufer, Länder oder Kommunen. Sie sind besonders sicher, da die ausgegebenen Darlehen durch den Staat oder durch Grundpfandrechte auf die Immobilien abgesichert sind. Zudem schreibt das Pfandbriefgesetz vor, dass die Kredite deutlich geringer sein müssen als der Marktwert der hinterlegten Sicherheiten. „Da die Renditen höher sind als bei Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit, sind Pfandbriefe eine gute Alternative“, sagt Rolf Kazmaier, Portfolio-Chef der Vermögensverwaltung Stuttgart. Wunder sollten Anleger aber auch hier nicht erwarten. Die Renditen liegen meist zwischen zwei und drei Prozent. Wer die direkte Anlage scheut, kann börsennotierte Renten-Indexfonds (ETFs) kaufen, die in Pfandbriefe oder Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren investieren. Diese ETFs sind ähnlich wie Fonds aufgebaut, folgen in ihrer Wertentwicklung aber einem vorher festgelegten Index. Vorteil für die Anleger: Da ETFs an der Börse gehandelt werden, lassen sie sich jeden Tag kaufen und verkaufen. Zudem haben sie deutlich niedrigere Gebühren als Fonds und gelten als Sondervermögen, das bei einem Konkurs der Fondsgesellschaft geschützt ist.
Aktien
Wer sich um seine längerfristige private Geldanlage Gedanken macht, der kommt an Aktien nicht vorbei, so die einhellige Meinung. Doch der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen, ist noch nicht gekommen. „Am Aktienmarkt ist nicht die Zeit für Heldenmut“, sagt Alexander Seibold, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Dr. Seibold Capital in Gmund am Tegernsee. Anleger sollten sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Aktienkurse noch einmal in die Knie gehen. Auch Margarete Kordt, Prokuristin der Spiekermann Vermögensverwaltung in Münster, rät zur Vorsicht. „Es wird noch mal Rückschläge geben“, sagt sie. Dann sollten Anleger in kleinen Schritten wieder in Aktien oder die klassischen, breit aufgestellten Aktienfonds investieren. Insbesondere die aufstrebenden Märkte seien dann ein Engagement wert. Es gebe viele Schwellenländer, die von einem Anziehen der Weltkonjunktur profitieren würden. Das Gleiche gilt für Rohstoffe. „Viele Rohstoffpreise sind derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagt Michael Dutz, Vorstand der Vermögensberatung Adlatus in Dresden. Mit der Erholung der Weltwirtschaft steige die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch die Preise. Als Anlage eignen sich nach Ansicht der Profis breit aufgestellte Fonds oder ETFs, die in mehrere Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Öl, aber auch in Agrargüter wie Weizen investieren. Diese bieten erfahrungsgemäß einen gewissen Schutz – sowohl gegen einen Totalverlust des Geldes als auch gegen die schleichende Entwertung durch die Inflation. Achten müssen Anleger nur darauf, dass die Fonds tatsächlich in Rohstoffe und nicht in Aktien von Rohstoffunternehmen investieren.
Sachwerte
Ein Problem aber bleibt. Viele Anleger haben Angst vor einem erneuten Rückfall in alte Krisenzeiten und vor der drohenden Inflation. Notenbanken und Regierungen haben in der Krise so viel Geld in die Märkte gepumpt, dass eine Geldentwertung unvermeidlich scheint. Daher sind Sachwerte gefragt, die Sicherheit garantieren sollen. Die Idee dahinter: Immobilien mit blitzender Glasfassade, beständige wachsende Wälder und funkelnde Goldbarren sind sicherer als virtuelles Geld. Das sehen auch die Profis so. „Sach- und Substanzwerte sollten jetzt unbedingt in den Anlagedepots liegen“, sagt Gottfried Urban, Vorstand der Vermögensverwaltung Neue Vermögen in Traunstein. Bei Immobilien müssen Unternehmer allerdings aufpassen, dass sie sich kein Klumpenrisiko ins Depot holen. Meist ist der Immobilienanteil bereits über das eigene Wohnhaus oder die Firmengebäude abgedeckt. Zu den weiteren Klassikern unter den Sachwerten gehört die Krisenwährung Gold. Doris Biersack, Geschäftsführerin der Mando Vermögensanlagen in Regensburg, warnt aber davor, sich zu sehr auf das glänzende Metall zu stürzen. „Etwas physisches Gold als Wertaufbewahrung ist in Ordnung“, sagt sie. Da die Anlage in Goldbarren und Münzen umständlich und mit hohen Gebühren verbunden ist, sollten Anleger zu börsennotierten Indexfonds greifen, die im Notfall eine Auslieferung des Goldes bieten. Auch Michael Dutz warnt vor zu viel Vertrauen in das Edelmetall. „Gold ist eine klassische Angstwährung“, sagt Dutz. Wenn diese Angst aus den Finanz- und Anlagemärkten entweiche, gebe es auch keinen Grund mehr, in Gold zu investieren. Dann könne der Preis von derzeit über 1.000 Dollar pro Unze auf 700 bis 800 Dollar zurückfallen. Als weitere Sachwertanlage werden von den Banken gerne geschlossene Fonds angeboten. Diese investieren zum Beispiel in Immobilien, Flugzeuge, Wald oder Fotovoltaik-Anlagen. Allerdings sind solche Fonds unternehmerische Beteiligungen, die mit einem erheblichen Risiko verbunden sind. Wer nicht mindestens 100.000 Euro freies Vermögen zur Verfügung hat, sollte da lieber die Finger weglassen. Zudem gilt auch hier: Firmenbesitzer sollten sich fragen, ob sie neben ihrem eigenen Geschäft noch ein weiteres unternehmerisches Wagnis eingehen wollen.
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